Forum urban_land_scapes

 

Kulturwissenschaftliche Stadt- und Raumforschung hat am Institut für Europäische Ethnologie eine zentrale, unterschiedliche Ansätze und Themen verbindende Bedeutung. Um die unterschiedlichen Zugänge und Forschungsfragen zu bündeln, hat sich im Sommersemester 2019 das Forum urban_land_scapes gegründet. Dieses verfolgt das Ziel, die vielfältigen Erfahrungen, Initiativen und Projekte der Angehörigen des Instituts für Europäische Ethnologie im Bereich der Themenfelder Raum, Stadt und Land ins Gespräch zu bringen und die Forschenden über das Institut hinaus zu vernetzen. Das Forum dient dem regelmäßigen Austausch über laufende Forschungen und Aktivitäten, der Entwicklung zukünftiger Initiativen sowie der gemeinsamen inhaltlichen Vertiefung raumtheoretischer Fragestellungen und Konzepte. Auch der bestehende Austausch mit Akteurinnen und Akteuren aus anderen Disziplinen und außeruniversitären Feldern soll zu ausgewählten Themen fortgeführt werden.


Neben Forschungen in Großstädten und über Metropolen wie Wien wurden und werden am Institut auch Forschungsfragen zu Städten verschiedener „Größe“ und Position sowie deren Aushandlung verfolgt und methodologische sowie analytische Fragen und Begriffe reflektiert. So wurde beispielsweise alltägliches Leben der Bewohnerinnen und Bewohner in „Mittelstädten“ daraufhin untersucht, wie der eigene Wohnort in alltäglichen Aushandlungen und Positionszuweisungen unterschiedlicher Institutionen sowie Akteurinnen und Akteure Bedeutung erhält. In diesem Zusammenhang wurde auch der Urbanitätsbegriff auf seine normative Bindung an einen bestimmten Typus von Großstadt hin befragt und vorgeschlagen, ihn zu pluralisieren und auf unterschiedliche Formen städtischen Lebens anzuwenden. In den letzten Jahren hat sich dieser Fokus noch einmal erweitert hin zu Kulturanalysen unterschiedlicher städtischer und ländlicher Räume: praxeologisch ausgerichtete relationale Raumanalysen untersuchen neben wechselseitigen Referenzen zudem die in Lebenswelten situierten Imaginationen von „Stadt“ und „Land“ sowie ihre Transformation und fragen nach räumlichen Wettbewerbslogiken. Einen weiteren Themenkomplex stellen insulare Räume dar. In den vergangenen Jahrzehnten erlebten Inseln eine verstärkte Aufmerksamkeit in verschiedenen Forschungsfeldern: Flucht und Migration, Tourismus, Ökonomie, Inselstädte und urbane Archipele. Fragen der Repräsentation und Relationalität stehen im Vordergrund aktueller Studien, um den statischen Begriff der Inselform zu durchbrechen und Inseln als Teil komplexer Netzwerke, Beziehungen oder Assemblagen zu betonen.


Auch konzeptionell gibt es neue Ansätze durch die epistemologische Frage nach der „Greifbarkeit der Stadt“ sowie die Forschungsperspektive auf „Stadt und Versprechen“. Darüber hinaus rücken urbane Raumproduktionen und ihre Akteurinnen und Akteure im Zuge von Stadterneuerungprozessen und Stadtentwicklungsprojekten ins Blickfeld der Analyse. Aktuelle Themenfelder sind in diesem Zusammenhang die Kommodifizierung des Wohnens und des öffentlichen Raums sowie die Frage nach dem Recht auf Stadt im Kontext planerischer und politischer Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse.


Ansprechperson

Ana Rogojanu