Wiener Werkstatt Ethnographie


© Universität Wien/ Franz Pfluegl


Die Wiener Werkstatt

 

"Go and get the seat of your pants dirty in real research"

 

Mit diesem Motto suchte der Chicagoer Pionier der Stadtforschung Robert Ezra Park 1927 seine Studierenden für ethnographische Feldforschung zu begeistern. Am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien hat ethnographische Feldforschung einen hohen Stellenwert: Dazu hat sich nun die ForscherInnengruppe Wiener Werkstatt Ethnographie gegründet, um über grundlegende Fragen ethnographischer Forschung zu debattieren, sich über aktuelle Vorhaben zu verständigen und in kontinuierlichen Austausch zu treten.

Ethnographische Forschung im Sinne der Feldforschung verlangt ein Sich-Auseinandersetzen und Einbringen an Orten und Situationen, ein In-Kontakt-Treten und Interagieren mit Menschen. Das erfolgt nicht nur "im Feld"; in einer reflexiven Kulturwissenschaft wie der Europäischen Ethnologie stößt "begleitete Reflexivität" mit anderen Forschenden auf großen Bedarf, dem wir entsprechen wollen.

Mehrmals im Semester kommt die Wiener Werkstatt Ethnographie zusammen und steht fortgeschrittenen Studierenden und Forscherinnen und Forschern mit ethnographischen Anliegen und Ambitionen offen. In wechselnden Formaten fokussieren wir ab sofort regelmäßig auf verschiedene theoretische und praktische Aspekte ethnographischen Arbeitens.


Termine

Bitte melden Sie sich vor der Teilnahme an einem Termin bei den Sprecher*innen via E-Mail an!

  • Mittwoch, 08. Mai: 10:00-11:30 Uhr
    Lektüre von Anna Tsing (2015): The Mushroom at the End of the World: On the Possibility of Life in Capitalist Ruins. Princeton: UP.
  • Donnerstag, 13. Juni: 13:00-14:30  Uhr
    Diskussion der Dissertation von Christian Elster: Pop Musik Sammeln: Zehn ethnographische Tracks (unveröffentlichtes Manuskript).
  • Mittwoch, 23. Oktober: 13:00-17:00 Uhr
    Deutungswerkstatt

Formate

 

1. Methode und Begriff

Die Frage, was Ethnographie bedeutet und ausmacht, war und ist virulent – einerseits in Anbetracht sich transformierender Forschungsfelder und gesellschaftlicher Realitäten; andererseits angesichts einer immer breiteren Verwendung ethnographischer Methoden in vielen „nicht-ethnologischen“ Disziplinen und auch in praktischen Arbeitsfeldern. Zusätzlich fallen Bedeutungsentleerungen von Begriffen und Methoden auf. Auf Basis der Lektüre und Diskussion methodologischer Texte streben wir eine Methoden- und Begriffsdiskussion und im Bedarfsfall -schärfung an.

 

2. Forschungspraxis und -design*: Anlage und Supervision von ethnographischen Forschungen

Ethnographisches Forschen erfordert ständiges Nachjustieren und Reflektieren. Supervision ist daher ein wichtiger Bestandteil ethnographischen Arbeitens. Die Wiener Werkstatt Ethnographie bietet Raum, laufende Forschungsarbeiten Einzelner in der Gruppe hinsichtlich forschungspraktischer Fragen zu diskutieren. Vor allem sollen in diesem Kontext Forschungsdesigns für geplante Vorhaben, aber auch Schwierigkeiten und Probleme im Feld diskutiert werden.

 

3. Repräsentation und Vermittlung ethnographischen Wissens

Spätestens seit der Writing-Culture-Debatte und der in ihrem Zusammenhang postulierten „Krise der Repräsentation“ bilden Fragen nach einer „angemessenen“ Darstellung ethnographischer Materialien einen wichtigen Bestandteil methodologischer Debatten. Gemeinsam lesen und diskutieren wir ausgewählte ethnographische Texte (close reading) und diskutieren Formen und Probleme ethnographischen Schreibens. Was macht einen guten (oder auch nicht so guten) ethnographischen Text aus?

 In einem weiteren Schritt beschäftigen wir uns mit der Frage, wie ethnographisches Wissen zur Anwendung und Wirkung gebracht werden kann und suchen nach gelungenen Beispielen und Strategien, gewonnenes Wissen zu vermitteln.

 

4. Analyse- und Deutungswerkstatt

Was sehen andere in meinem Material? Da Triangulation mehrerer Forschender eine erprobte und bewährte Strategie der Analyse ist, treffen wir uns nach Voranmeldung in einer kleinen Gruppe zur gemeinsamen Deutung und Interpretation empirischen Materials. Einen Nachmittag im Semester wird intensiv gemeinsam an ethnographischen Quellen gearbeitet.