Generalversammlung der Empirischen Kulturwissenschaft in Österreich

Die Universitätsinstitute des kulturwissenschaftlichen Faches, das aus der früheren Volkskunde hervorging und in Österreich unter den Namen Europäische Ethnologie (Innsbruck und Wien) sowie Kulturanthropologie/Kulturanalyse (Graz und Klagenfurt) bekannt ist, treffen sich seit 2010 (bzw. Klagenfurt 2017) jährlich an wechselnden Standorten zur Besprechung aktueller disziplinärer, hochschulpolitischer und gesellschaftlicher Fragen und Entwicklungen.  

Aus diesem Netzwerk ist im März 2018 die "Generalversammlung der Empirischen Kulturwissenschaft in Österreich" (GVEKW) hervorgegangen, die sich mit jährlich wechselndem Vorsitz in fachpolitischen Fragen als universitäre Stimme des Faches in Österreich einbringen will. Die Treffen führten bereits in der Vergangenheit zu gemeinsamen Stellungnahmen (wie der Erklärung zu Menschen in Bewegung - "Kultur" und "Heimat" als politische Instrumente im Herbst 2015, www.aau.at/blog/menschen-in-bewegung-kultur-und-heimat-als-politische-instrumente/) und auch für die Zukunft sind Vorhaben in Planung (wie Plänen für eine "Gebrauchsanleitung Kultur" für all jene, die über den kulturwissenschaftlich üblichen, aktuellen Gebrauch von Schlüsselbegriffen wie Kultur, Identität/Zugehörigkeit, Tradition, Kulturerbe, Heimat etc. informiert).    

Mit dem Namen "Empirische Kulturwissenschaft" haben wir uns auf einen Dachbegriff verständigt, der Forschungsfelder und -Perspektiven, Epistemologien und Fachtraditionen einer wissenschaftlichen Disziplin bündelt, die an den unterschiedlichen akademischen Standorten im deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Namen verankert ist (Volkskunde, Europäische Ethnologie, Kulturanthropologie, Empirische Kulturwissenschaft, vergleichende Kulturwissenschaft) und sich wissenschaftsgeschichtlich aus der früheren "Volkskunde" entwickelt hat.  

Die Transformation des Faches nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sich Fachvertreter ideologisch als Akteure des Nationalsozialismus exponiert hatten und die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Fachgeschichte und Terminologie dringend erforderlich machten, führte ab den 1970er Jahren zur Ausrichtung auf eine empirische Alltagskulturwissenschaft, die sich der Kulturanalyse historischer wie gegenwärtiger gesellschaftlicher Themen und Problemfelder verpflichtete. Daraus entwickelten sich zunehmend intensive und enge Verbindungen mit Nachbardisziplinen (wie der Ethnologie bzw. mancherorts Kultur- und Sozialanthropologie). Anders als in Teilen der englischsprachigen Wissenschaftstraditionen mündete diese Annäherung nicht in Auflösungen der beiden ethnologischen Disziplinen hin zu einem gemeinsamen Dachverband (wie die Cultural Anthropology in den USA oder Social Anthropology in GB). Vielmehr existieren nach wie vor im deutschsprachigen Raum unterschiedliche Disziplinen und zumeist Institute sowie verschiedene Fachorgane und Institutionen (Zeitschriften, Fachgesellschaften, Tagungsroutinen etc.), die indes im Dialog miteinander stehen.  

Im Zuge der anstehenden Herausforderungen und der gegenwärtigen politischen Verwendung zentraler Begriffe und Untersuchungsgegenstände unserer Disziplin mit überholter oder unzutreffender Semantik, haben sich die Universitätsinstitute zusammengeschlossen, um sich als wissenschaftspolitische Stimme zu Wort zu melden. Als Sprecher/in für die Generalversammlung fungiert ein Mitglied des letzten gastgebenden Instituts.    

Es handelt sich bei der Generalversammlung der Empirischen Kulturwissenschaft in Österreich um keine Körperschaft im juristischen Sinn bzw. keine juristische Person.


Die GVEKW war eine der über 50 wissenschaftlichen Gesellschaften, die den Appell zur Stärkung kompetitiver Grundlagenforschung an ausgesuchte Mitglieder der Österreichischen Bundesregierung unterzeichnet hat,
hier die
Pressemitteilung