Studientechniken der Europäischen Ethnologie

Wir alle kennen das: in jedem neuen Arbeitsfeld stoßen wir auf Abläufe und Vorgangsweisen, die - so scheint es - für alle Routine sind, nur für uns nicht. In derartigen Situationen sind kurze und knappe Informationen über Selbstverständlichkeiten gefragt, weniger ausführliche Abhandlungen zu Detailfragen. Die Studientechniken  handeln von solchen Selbstverständlichkeiten.

Als Autor*innen der vorliegenden Texte wollen wir erste Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb der Europäischen Ethnologie sowie Orientierungshilfe geben. Alle Arbeitstechniken, die wir rund um Sammeln und Recherchieren, Lesen und Schreiben im Studium vorstellen, sind etabliert, sie routiniert zu beherrschen ist notwendiges Handwerkszeug. Gleichzeitig melden wir einen Vorbehalt an. Denn es sind keine allgemeingültigen Rezepte, die wir hier vermitteln. Jede und jeder von uns entwickelt oft sehr individuelle Formen des Lesens, Markierens, Notierens von wissenschaftlicher Literatur. Die einen bevorzugen eher analoges, die anderen digitales Schreiben. Anmerkungen und Ratschläge können sich im konkreten Gebrauch, in den jeweiligen Lehrveranstaltungen und nicht zuletzt unter dem Einfluss der Digitalisierung auf unterschiedlichsten Ebenen wissenschaftlichen Arbeitens relativieren.

Es mag paradox klingen, aber Offenheit und Flexibilität sind die Voraussetzung, Alltage von Individuen und Gruppen, deren Routinen und Selbstverständlichkeiten, deren Milieus, Zeiten und Räume - die zentralen Forschungsfragen der Europäischen Ethnologie - zu bearbeiten.  Dies betrifft die Arbeitstechniken, die wir im Folgenden beschreiben. Dies betrifft aber vor allem auch die Art und Weise, mit welchen empirischen Verfahren und Methoden wir hier vorgehen, welche theoretischen Konzepte und Befunde wir diskutieren; diese haben wir im Folgenden systematisch ausgeklammert. Sie sind Gegenstand des Studiums und so vielfältig und anspruchsvoll, dass wir diese hier nur allzu verkürzt darstellen könnten.

Auf den folgenden Seiten konzentrieren wir uns daher auf zentrale Studientechniken und wichtige Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens, zugeschnitten auf das Fach Europäische Ethnologie. Mit unseren Texten wollen wir unnötigen Frustrationen und Verunsicherungen vorbeugen, Orientierung bieten und motivieren, neugierig ins Studium zu starten. Dazu könnt ihr die Texte, die in ihrer Anordnung zentrale Schritte wissenschaftlichen Arbeitens nachzeichnen, chronologisch lesen oder aber gezielt bestimmte Abschnitte nachschlagen.

Das Redaktionsteam und die Autor*innen[1] dieser Broschüre setzen sich aus Mitarbeitenden des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien zusammen. Im Austausch mit Studierenden haben wir gemeinsam einige zentrale Informationen zusammengetragen, die wir selbst uns zu Beginn unseres Studiums gewünscht hätten. Bei Bedarf soll diese Textsammlung erweitert und aktualisiert werden. Das gilt gerade auch für die Hinweise zu weiterführender Literatur im Anschluss der einzelnen Kapitel und für die hilfreichen Links am Ende der Kapitel. Euer Feedback ist daher ausdrücklich erwünscht.

Wir wünschen euch einen guten Start in das Studium der Europäischen Ethnologie.

 


[1] Im Verlauf der Lektüren wird euch auffallen, dass wir in den einzelnen Kapiteln unterschiedliche Formen einer Gendergerechten Sprache einsetzen. So selbstverständlich der Gebrauch einer Gendersensiblen Sprache heute ist, so heterogen sind allerdings die bisherigen sprachlichen Lösungen. Die jeweiligen Varianten verstehen wir als Kompromisse, unter Vorbehalt.